von Maria Milisavljević
Hanna steht am Fluss. Sie denkt an Therese. Therese, die so alt war wie sie. Und die der Fritz so gern mochte, für die der Fritz extra auf dem Rummel eine Kette schoss, die der Fritz so gern ... und die dann hier in diesem Fluss lag. Entsorgt. Fortgespült.
Doch der Fluss erzählt von noch mehr Frauen.
Da ist der Versuch einer Frau, aus ihrer gewaltvollen Beziehung auszubrechen. Als sie schließlich so weit ist und ihrem Mann von ihrem Beschluss berichtet, bringt er sie um. Da ist aber auch eine Frau mit einer Wut gegen die eigene Mutter, weil sie sich nicht gewehrt hat, weil sie das Aushalten weitervererbt hat?
Generationen von Frauen, die fortgespült wurden. Die nicht mehr da sind, weil ein Mann das so wollte. Weil sie tot sind.
Gewalt an Frauen ist kein Einzelfall und sie ist strukturell. Die Zahl der Femizide ist erschreckend. Die preisgekrönte Autorin Maria Milisavljević hat mit »Staubfrau« einer Vielzahl an Frauen ihre Stimme geliehen. Stimmen, die zusammenfließen, die strömen und anschwellen. Bis der Fluss über seine Ufer tritt.