Eine faszinierende Mischung aus Oper, Klanginstallation und musikalischem Experiment: Luigi Nonos »Prometeo« ist der Höhepunkt des Prometheus-Schwerpunkts dieser Saison und zugleich das Opus Magnum des italienischen Avantgarde-Komponisten. Unter der Leitung des Nono-Spezialisten François-Xavier Roth verwandelt das SWR Symphonieorchester den Konzertsaal in einen mehrdimensionalen Klangraum – ein einmaliges Hörerlebnis zwischen Musik, Raum und Stille.
Für Nono steht nicht der strahlende Held im Mittelpunkt, der der Menschheit das Feuer bringt, sondern die existenzielle Suche nach Erkenntnis und Sinn: »Prometheus ist vor allem ein großes Problem: der Wille nach dem Anderen.« Der Komponist zeichnet das Bild eines einsamen Reisenden, der durch unbekannte Klanglandschaften streift. So entsteht ein musikalischer Archipel, dessen Inseln aus Texten von Hesiod, Aischylos, Hölderlin, Walter Benjamin und anderen bestehen – jedes Fragment öffnet eine neue Perspektive auf den Mythos.
Zarte Klangschatten, mikrotonale Schwebungen und meditative Chöre verleihen dem Werk eine beinahe spirituelle Dimension. Nono fordert das Publikum auf, bewusst zu hören, sich Zeit zu lassen und den Raum der Stille als Teil der Musik zu erfahren. Die Aufführung wird so zu einem sinnlichen Erlebnis – einer »Tragödie des Hörens«.
BESETZUNG
SWR Symphonieorchester Orchester
Schola Heidelberg Vokalensemble
SWR Experimentalstudio Klangregie
François-Xavier Roth Dirigent
PROGRAMM
Luigi Nono
Prometeo / Tragedia dell’ascolto, a cura di M. Cacciari
für im Raum verteilte Solisten, Chor, vier Orchestergruppen und Live-Elektronik