Eindrücke, die bezaubernd und eindringlich, aber schwer zu fassen sind, faszinierten den Komponisten Claude Debussy. Den »unzählbaren Rhythmus des Meeres«, die flüchtigen Gestalten vorüberziehender Wolken und den Klang eines Festes mit seiner »Mischung aus Musik und leuchtendem Staub« beschwört Debussy in seinen drei Nocturnes. Die Stücke entstanden in verschiedenen Fassungen zwischen 1892 und 1898. »Ich liebe die Ungewissheit in dieser Musik, sie hat keine Schlussfolgerungen, keine Richtung, sie liegt förmlich in der Luft, diese Farben, Gerüche und Stimmungen«, so schwärmt der finnische Dirigent Sakari Oramo über das sinnlich-feinsinnige Triptychon. Genau deshalb würden Debussys »Trois Nocturnes« auch den »perfekten Kontrast« zum nachfolgenden Werk von Busoni bilden.
Ferruccio Busonis Klavierkonzert stellt nach Anspruch und Umfang die gesamte Konkurrenz in den Schatten: länger, größer, schwieriger, anspruchsvoller als alles, was es sonst auf dem Feld gibt. Statt der üblichen drei oder maximal vier hat das Konzert fünf Sätze; statt nur reine Virtuosität oder instrumentalen Dialog zu bieten, kommt am Schluss sogar noch ein Schuss religiöser Tiefsinn dazu. Ein Männerchor preist aus dem Off die Taten des Schöpfers, während der Solist gewaltige Akkordtürme in die Tastatur stanzt.
Uraufgeführt im Jahr 1904 mit dem Komponisten am Flügel, ist Busonis Klavierkonzert so eine Art konzertantes Pendant zu den Sinfonien eines Gustav Mahler. Nach Anspruch und Umfang ist dieses »Konzert« eher eine Vokalsinfonie mit obligatem Klavier. Das allerdings hat mindestens so viel zu tun wie bei »Rach 3«. Für einen Vollblut-Virtuosen wie Kirill Gerstein ist »Busoni 1« also wie geschaffen.
BESETZUNG
NDR Elbphilharmonie Orchester Orchester
Prager Philharmonischer Chor Chor
Kirill Gerstein Klavier
Sakari Oramo Dirigent
PROGRAMM
Claude Debussy
Trois Nocturnes
- Pause -
Ferruccio Busoni
Konzert für Klavier und Orchester mit Männerchor op. 39