Günter Grass und die Politik
Führung zum Internationalen Museumstag
Im August 1961 meldet sich Günter Grass erstmals öffentlich politisch zu Wort. Einen Tag nach dem Bau der Berliner Mauer fordert er Anna Seghers, die Vorsitzende des DDR-Schriftstellerverbands, auf, gegen die gewaltsame Schließung der Grenze zu protestieren. Just in dieser Zeit begegnet er Willy Brandt, der für ihn zu einem politischen Mentor wird. Mit den Worten »Ich schraubte das Tintenfaß zu, verließ das Stehpult, ergriff Partei«, bekennt er seine Sympathie zu dem SPD-Politiker und engagiert sich für ihn und dessen Partei in zahlreichen Wahlkämpfen. Forderungen nach Revolutionen und der Verwirklichung gesellschaftlicher Utopien erteilt er eine klare Absage. Das Bild der Schnecke symbolisiert bei Grass einen langsamen und stetigen Fortschritt, wie er ihn beispielsweise in der Neuen Ostpolitik unter Willy Brandt verkörpert sieht. Bis zu seinem Tod setzt sich Grass für eine lebendige Demokratie und die Rechte von Minderheiten ein.
Ursula Häckermann geht in ihrer Führung auf die vielfältigen politischen Aktivitäten des streitbaren Künstlers und Schriftstellers ein. Dabei zeigt sie auch auf, inwiefern sich die Auseinandersetzung mit der Politik im Werk von Günter Grass niederschlägt.