Theater! Theater! - Kai Maertens präsentiert Der Lord von Barmbeck
Wenn er im feinen Zwirn mit Hut und Regenschirm durch Hamburg stolzierte, hätte man meinen können, er käme gerade von der Börse. Begegnete man ihm indes in nächtlichen Straßen, war er zumeist auf verbrecherischen Raubzügen unterwegs oder auf der Flucht. Adolf Petersen (1882 - 1933), von der Lokalpresse zum Lord von Barmbeck geadelt, war ein Ganove der Spitzenklasse. Der listenreiche und verwegene Ein- und Ausbrecher, der stolz darauf war, keine Pistole zu benutzen, wurde für die einen zum Bürgerschreck, für andere ein Idol. Unterstützt von weniger eleganten Gefährten wie »Schlachterkarl« und »Hunderobert« stahl er alles was nicht niet- und nagelfest war. Er entwendete und knackte Geldschränke auf, stilisierte sich zu einem Mackie Messer. Wiederholt kam er hinter Schloss und Riegel, so auch in das Gefängnis Fuhlsbüttel, wo er die Geschichte seines Lebens aufgeschrieben hat. Mag dabei Manches einer üppigen Phantasie entspringen, seine verblüffende Formulier-Kraft und die farbenfrohen Schilderungen seiner Untaten verraten einen erstaunlichen Erzähler.