papiripar
Festival für Pop | Kunst | Rotation
17.-20. Oktober 2018
Künstlerhäuser WESTWERK und WENDENSTRASSE, Hamburg
papiripar ist ein quasi-palindromischer Propeller, der die Grenzen zwischen Bild, Ton und Text auflöst. Ränder verschwimmen und komplexe Muster entstehen. Die Symmetrie stolpert über ihre eigene Spiegelachse.
papiripar findet zum ersten Mal im Oktober 2018 statt. Das Festival widmet sich konzeptionellen und progressiven Ansätzen in der Popmusik und deren Überschneidung mit Kunst, Film und Performance. Zwischen getrennten Sphären sollen Berührungspunkte belichtet und interdisziplinäre Einflüsse aufgezeigt werden, frei nach dem Motto: Mehr Kunst in die Musik, mehr Musik in die Kunst! Dieser Leitspruch des Düsseldorfer ATA TAK Labels prägte bereits Ende der 1970er Jahre die deutsche Untergrundszene. Überlagerungen von Musik und Kunst zeigten sich in Aktionen und personellen Überschneidungen. Musiker ließen sich von konzeptionellen Methoden der Kunst inspirieren, Künstler machten Musik, brachten Fanzines heraus und betrieben Plattenlabel. Konzerte nahmen den Charakter von Performances an und waren stark visuell ausgerichtet.
Auch bei den Akteurinnen und Akteuren des papiripar Festivals ist die Überschneidung der Disziplinen deutlich sichtbar: Die belgisch-holländische Künstlergruppe Pinkie Bowtie (Dennis Tyfus, Peter Fengler, Vaast Colson) macht Austellungen mit starker Affinität zur Musik, betreibt Plattenlabel und eigene Veranstaltungsorte. Der in Berlin lebende schwedische Performancekünstler Sven-Åke Johansson erweiterte in den 70er Jahren sein Free-Jazz-Schlagzeugspiel zunehmend in Richtung Kunst, wovon legendäre Aufführungen mit Feuerlöschern, Traktoren, Telefonbüchern und schnarrenden Kartons (gespielt mit dem Geigenbogen) Zeugnis ablegen. Die Kolumbianerin Lucrecia Dalt lässt Literatur und Wissenschaft in ihre abstrakten Klang-Wort-Gebilde einfließen, das Zentrum bildet ihre Erzählstimme. Die Betreiber des Düsseldorfer Qualleninstituts Kathrin Dreckmann und Verena Meis widmen sich der „diaphanen Erscheinung“ der Qualle als Kuratorinnen auf multimedialer Ebene. Kurzfilme, Vorträge, Installationen, Konzerten, Quallensalat und Quallendisko gehören zum Repertoire. Der Berliner Elektronikmusiker Jan Jelinek präsentiert die Hinterlassenschaft der mysteriösen Komponistin Ursula Bogner, deren klingende Spur sich immer wieder im Nebel des Obskuren verliert. Viele Künstlerinnen und Künstler wie das verkleidungsfreudige Glasgower Duo The Modern Institute und die DJs Phuong-Dan Nguyen, Toulouse Low Trax (Detlef Weinrich / Kreidler) und Nika Breithaupt haben den Weg in die Musik über die Kunst gefunden oder sind nach wie vor in beiden Feldern aktiv.
papiripar findet in den Künstlerhäusern WESTWERK und WENDENSTRASSE statt, zwei Veranstaltungsräumen, die auf eine 25-jährige Tradition der Selbstorganisation jenseits etablierter Strukturen zurückblicken können. An diesen Orten wurde nie eine scharfe Trennlinie zwischen den künstlerischen Disziplinen gezogen.
Die Verteilung auf zwei Spielorte setzt auch eine räumliche Fluktuation in Gang, eine Wanderbewegung des Publikums auf der Hamburger Ost-West-Tangente zwischen Fleetinsel (WESTWERK) und dem kulturell bislang unterentwickelten Bürostadtteil Hammerbrook (WENDENSTRASSE). In diesem geografischen Spannungsfeld soll ein multidimensionaler Raum geschaffen werden, in dem Akteure unterschiedlichster Hintergründe zusammenkommen. Nicht nur eine Durchmischung verschiedener "Szenen" und Stadtteile wird dadurch angeregt, sondern auch ein Aufeinandertreffen von Musikfans, Kunstfreaks, Tresenphilosophen und tanzenden Teufeln.
papiripar steht für ein Spiel mit den Formaten. Präsentationsroutinen sollen hinterfragt, die altgediente Form des Livekonzerts experimentell erweitert werden. Eine besondere Rolle spielen hierbei künstlerische Selbstbestimmung, der Farbwechsel, die Transformation, die Beschleunigung randständiger Zentrifugalkräfte. Mit anderen Worten: die Rotation der Energien.
Alle Bedeutungslücken, die durch das Aufeinandertreffen voneinander getrennter Disziplinen, Begriffe und Frequenzen entstehen, erfordern eine Überbrückung des Denkens durch neue Losungen und Übersprungshandlungen. Lassen wir uns in eben diese Lücken fallen, um zu sehen, was passiert.
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Felix Kubin - Kurator
Felix Kubin ist Komponist, Hörspielmacher, Performer und Autor. Sein Aktionsradius umfasst futuristischen Pop, elektroakustische Experimente, Lecture Performances, zeitgenössische Orchesterkompositionen, Hörspiele und die Entwicklung eigener Radioformate. Er betreibt das Schallplattenlabel Gagarin Records.
Florian Bräunlich - Kurator
Florian Bräunlich ist freier Kurator, DJ, Promoter von Konzerten und künstlerischer Mitarbeiter des Teenitus Festivals in Erfurt und Berlin. Zusammen mit Felix Kubin veranstaltet er im Galerieraum Studio45 des Künstlerhauses Wendenstraße in Hamburg Konzerte und Ausstellungen.
Markus Kritzokat - Produktion
Markus Kritzokat studierte Musikwissenschaft in Hamburg und Helsinki und war als Musikkurator am ZKM / Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe sowie als Redaktionsleiter für Zeitgenössische Musik beim Deutschen Musikrat in Bonn tätig. Er lebt in Hamburg und arbeitet als Musikjournalist und Projektmanager.