Streicher waren in den Arrangements der Singer-Songwriterin Keren Ann nie Fremdkörper. Schon auf ihrem ersten Album »La biographie de Luka Philipsen« (2000) verwendete die israelisch-niederländisch-britisch-französische Chansonnière orchestrale Klangfarben. Gut 20 Jahre nach Beginn ihrer Karriere, die mit französischsprachigen Songs und unter künstlerischem Einwirken von Benjamin Biolay begann, zieht Keren Ann nun eine Art Zwischenbilanz ihres bisherigen Schaffens – und zwar mit einem veritablen Streichquartett.
Auf ihrem jüngsten, 2022 erschienenen Album veredelt das Quatuor Debussy mit exzellenten Arrangements zehn der Songs von Keren Ann, von ihrem ersten (und größten) Hit »Jardin d’hiver« bis zu neueren, auch auf Englisch gesungenen Liedern. Was die vier Streicher beisteuern, ist weit mehr als bloß schwelgerisches Kolorit; ihre Musik durchzieht die Songs mit einer eigenständigen Textur.
Ansonsten verlässt sich die aparte, musikalisch überaus versierte Sängerin ganz auf ihre klare, elegische Stimme. Sie begleitet sich zudem auf der Akustikgitarre und noch öfter auf einer eher atmosphärisch eingesetzten E-Gitarre mit ordentlich Tremolo. Deren Sound bietet einen sanften, wohltuend widerständigen Kontrast zum cleveren Klassizismus des sonstigen Klangbilds. Wie gut das auch live funktioniert, lässt sich bei Keren Anns Gastspiel mit dem Quatuor Debussy beim Internationalen Musikfest Hamburg im Kleinen Saal der Elbphilharmonie bestaunen.